Chronische Schulterschmerzen: Wie Pain Neuroscience Education die Therapie verbessern kann
Schulterschmerzen zählen zu den häufigsten muskuloskelettalen Beschwerden weltweit. Je nach Studie liegt die jährliche Inzidenz zwischen knapp acht und 62 Fällen pro 1000 Personen, während die Punktprävalenz in der Allgemeinbevölkerung zwischen 0,7 Prozent und 55,2 Prozent schwankt [2]. Trotz vielfältiger Therapieansätze ist der Verlauf oft langwierig: Rund ein Viertel der Betroffenen berichtet über frühere Episoden und bei 40 bis 50 Prozent persistieren oder rezidivieren die Beschwerden auch ein Jahr nach Beginn [3]. Die Prognose wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, darunter Alter, Bildungsniveau, Dauer und Intensität der Symptome sowie das Vorliegen von Schmerzen in anderen Körperregionen [4]. Zunehmend rücken jedoch psychosoziale Einflussfaktoren in den Fokus. Diese können nicht nur als Risikofaktoren für die Entstehung von Schulterschmerzen wirken, sondern auch deren Chronifizierung begünstigen – insbesondere dann, wenn der normale Heilungszeitraum bereits überschritten ist [5], [6].
Vor diesem Hintergrund gewinnt ein biopsychosozial orientierter Therapieansatz zunehmend an Bedeutung. Ein vielversprechender Bestandteil dieses Ansatzes ist die Pain Neuroscience Education (PNE). Diese edukative Intervention zielt darauf ab, Patient*innen ein vertieftes Verständnis der neurobiologischen und neurophysiologischen Mechanismen von Schmerz – insbesondere bei chronischen Verläufen – zu vermitteln. Ziel ist es, krankheitsbezogene Überzeugungen und Verhaltensmuster positiv zu beeinflussen [7], [8].
Während sich PNE bei chronischen Rückenbeschwerden bereits als wirksam erwiesen hat, ist die Studienlage zur Anwendung bei chronischen Schulterschmerzen bislang begrenzt. Die vorliegende Studie nimmt daher die aktuelle Evidenz zur Kombination von PNE mit multimodalen physiotherapeutischen Interventionen bei chronischen Schulterschmerzen in den Blick und diskutiert mögliche Potenziale diesen Behandlungsansatz in die PRaxis zu integrieren [1].
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