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Sprung für Sprung zurück: Plyometrie in der Kreuzband-Reha

Lea Schwalbach
Wissenschaftliche Referenz: M. Buckthorpe und F. Della Villa, „Recommendations for Plyometric Training after ACL Reconstruction – A Clinical Commentary“, Int. J. Sports Phys. Ther., Bd. 16, Nr. 3, Juni 2021, doi: 10.26603/001c.23549.

Nach erfolgreicher Kreuzbandrekonstruktion verlief die Rehabilitation zunächst optimal. Der Patient zeigte sehr gute Kraftwerte und absolvierte den Return to Run erfolgreich. Im Anschluss begann die Einführung beidbeiniger Drop Jumps. Die ersten Einheiten wurden gut toleriert, auch die initiale Progression verlief ohne Auffälligkeiten. Etwa zwei Wochen später kam es jedoch zu einem deutlichen Rückschritt: zunehmende Knieschmerzen ohne akutes Trauma, aber in engem zeitlichen Zusammenhang zur gesteigerten plyometrischen Belastung. Ein Rückschritt im Aufbau, Belastungsgrenze scheinbar überschritten.
In der Kreuzbandrehabilitation nach Buckthorpe et al. gilt die 10-Task-Progression als etablierter Leitfaden für eine sichere und stufenweise Rückkehr zum Sport. Im oben beschriebenen Fall wurden alle notwendigen Kriterien dieser Progression erfüllt, die sowohl die Kraftentwicklung als auch Bewegungskontrolleud die Sprungqualität berücksichtigte. Doch wie kam es zu diesem Rückschritt?
Die kriterienbasierte Reha schafft einen wichtigen strukturellen Rahmen, doch sie allein reicht nicht aus, um den komplexen Genesungsprozess nach Kreuzbandverletzung vollständig abzudecken.
Gerade das plyometrische Training ist essentiell für die späte, sportartspezifische Rehaphase. Ein individueller, stufenweiser Aufbau ist dabei entscheidend, um den Anforderungen des Patienten gerecht zu werden, einen sicheren Rehabilitationsverlauf zu gewährleisten und das Verletzungsrisiko zu minimieren [1].
Erschreckend ist, dass nur etwa 30 Prozent der Patienten einen sinnvollen und strukturierten plyometrischen Rehaaufbau durchlaufen [2]. Die verfügbare Literatur ist begrenzt, und konkrete Leitlinien fehlen. Um diesem Mangel zu begegnen, wurde ein praxisorientierter Leitfaden in Form eines 4-Stufen-Modells entwickelt, das einen strukturierten und progressiven Aufbau der Plyometrie in der Kreuzbandrehabilitation ermöglicht [1].

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