Stabilisationstraining bei chronischem Rückenschmerz: Evidenzbasierter Nutzen unter der Lupe
Stelle dir folgendes Szenario vor: Ein Physiotherapeut der noch in den Anfängen seiner beruflichen Laufbahn steckt, behandelt einen Patienten der seit 6 Monaten über bestehenden unteren Rückenschmerzen klagt. Der Patient berichtet, dass die Schmerzen diffus und ohne klar erkennbare Ursache auftraten. Sie strahlen nicht in die Beine aus, erschweren jedoch das Heben am Arbeitsplatz und mindern seine Lebensqualität. Trotz Physiotherapie und Schmerzmitteln kehren die Beschwerden immer wieder zurück. Als der Therapeut eine Serie von Stabilisationsübungen einleitet, zeigt sich nach einigen Wochen erstmals eine deutliche Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung.
Dieses klinische Szenario ist kein Einzelfall: Chronische Rückenschmerzen (chronic low back pain, CLBP) stellen weltweit eine der häufigsten Ursachen für Funktionsverlust dar [1]. Mehr als 50–80 % aller Menschen erleben im Laufe ihres Lebens zumindest eine Episode von Rückenschmerzen [2], und bei rund 60 % entwickelt sich daraus ein chronischer Verlauf [2]. Die jährlichen Kosten durch Arbeitsausfälle und Behandlungen gehen in die Milliarden [2]. In der Praxis suchen viele Betroffene Hilfe in Physiotherapie und Trainingstherapie, insbesondere wenn bildgebende Diagnostik keine spezifische Ursache zeigt. Bei solch “chronischen unspezifischen Rückenschmerzen” (ohne klar identifizierbare Pathologie) rückt die Kräftigung und Kontrolle der Rumpfmuskulatur in den Fokus der Therapie. Doch welche Evidenz steckt hinter Stabilisationsübungen?
In diesem Review beleuchten wir anhand der aktuellen Meta-Analyse von Dimitrijević et al. (2025) [1] und weiterer Literatur den evidenzbasierten Nutzen von Stabilisationstraining bei chronischem Rückenschmerz – sowohl bei unspezifischen Fällen als auch bei spezifischen Ursache wie z.B. Bandscheibenvorfällen.
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