Zum Inhalt springen

Vom akuten zum chronischen Schmerz: Welche Rolle hat das Geschlecht bei der Chronifizierung von Schmerzen?

Alexandra Schreieck
Wissenschaftliche Referenz: Smith AF, Plumb AN, Berardi G, Sluka KA. Sex differences in the transition to chronic pain. J Clin Invest. 2025 Jun 2;135(11):e191931. doi: 10.1172/JCI191931. PMID: 40454485; PMCID: PMC12126234 [1].

Chronischer Schmerz zählt zu den häufigsten und belastendsten Gesundheitsproblemen weltweit. Schätzungsweise 20 bis 70 Prozent der Menschen entwickeln in ihrem Leben chronische Schmerzen, die über die normale Heilungszeit nach einer Verletzung, Operation oder Erkrankung hinausgehen [2], [3]. Die große Spannbreite dieser Zahlen erklärt sich durch unterschiedliche Schmerzarten sowie variierende Erhebungs- und Bewertungsmethoden. Standardisierte Schmerzassessment-Verfahren, die bisher innerhalb wissenschaftlicher Arbeiten zum Thema Chronischer Schmerz noch nicht ausreichend etabliert wurden, sind daher essenziell, um den Übergang vom akuten zum chronischen Schmerz besser vergleichen und verstehen zu können [4].
Aber warum sind chronische Schmerzen so tückisch? Während ein akuter Schmerz eine wichtige Warnfunktion erfüllt, markiert die Chronifizierung einen Wendepunkt: Der Schmerz verliert seine protektive Bedeutung und wird selbst zur Erkrankung. Doch dieser Übergang verläuft nicht bei allen Menschen gleich. Hierbei stellt sich nun die Frage, ob das Geschlecht bei der Chronifizierung von Schmerzen eine entscheidende Rolle spielen. Und wenn es das tut, wie genau beeinflusst das Geschlecht den Prozess der Chronifizierung?
Studien zeigen seit Jahren, dass Frauen häufiger von chronischen Schmerzsyndromen betroffen sind und oft eine höhere Schmerzintensität berichten, während Männer tendenziell andere Verlaufsformen und Bewältigungsstrategien aufweisen. Erkrankungen wie Migräne, Fibromyalgie oder bestimmte muskuloskelettale Schmerzsyndrome treten bei Frauen signifikant häufiger auf [5], [6]. Gleichzeitig unterscheiden sich neurobiologische Prozesse, hormonelle Einflüsse, Immunreaktionen sowie psychosoziale Faktoren zwischen den Geschlechtern – alles Mechanismen, die an der Chronifizierung beteiligt sind.
Auf diese Unterschiede will ich in diesem Review etwas genauer eingehen.

Jetzt Mitglied der DK Academy werden und diesen Artikel weiterlesen

Bereits Mitglied? Jetzt einloggen