Von Kraft zu Explosivität: Das oft übersehene Puzzleteil in der Rückkehr zum Sport
Im leistungsorientierten Sport ist eine hohe körperliche Leistungsfähigkeit eine zentrale Voraussetzung für sportlichen Erfolg. Neben Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit spielt insbesondere die Explosivkraft eine entscheidende Rolle. Sie beschreibt die Fähigkeit, in kürzester Zeit hohe Kraft zu entwickeln – und ist damit ein maßgeblicher Leistungsfaktor in vielen Sportarten, etwa in Sprint-, Sprung-, Wurf- und Kampfsportdisziplinen. Eine gut ausgeprägte Explosivkraft trägt wesentlich zur Verbesserung der sportartspezifischen Performance bei und beeinflusst sowohl offensive als auch defensive Bewegungsaktionen [1].
In der wissenschaftlichen Literatur wird Explosivkraft – häufig über die Rate of Force Development (RFD) beschrieben – zunehmend als eigenständiges Leistungsmerkmal betrachtet und nicht lediglich als Nebenprodukt maximaler Kraft. Sie gilt als entscheidend, um athletische Bewegungen schnell, effizient und sicher auszuführen. Darüber hinaus wird eine gute RFD als wichtiger Faktor diskutiert, um das Risiko einer erneuten Verletzung zu reduzieren. Nach Verletzungen zeigen Athlet:innen häufig nicht nur Defizite in der maximalen Kraft, sondern vor allem in der Fähigkeit, Kraft rasch verfügbar zu machen. Genau hier setzt explosives Training an: Es adressiert RFD-Defizite gezielt und ist daher ein zentraler Bestandteil moderner Return-to-Sport-Programme [2].
Vor diesem Hintergrund ist es konsequent, Patient:innen in der Rehabilitation nicht nur auf den strukturellen Heilungsverlauf, sondern auch auf die sportliche Leistungsanforderung vorzubereiten. In der Physiotherapie gelingt es zunehmend gut, nach Verletzungen – beispielsweise nach einem Kreuzbandriss – die Kraftbasis wiederherzustellen. Gerade in der Endphase der Rehabilitation braucht es jedoch zusätzlich ein gezieltes explosives Training sowie sportartspezifische Belastungsformen – und das nicht ausschließlich für die untere Extremität.
Denn spätestens wenn es darum geht, wieder wirklich sportfähig zu werden – schnelle Antritte umzusetzen, Richtungswechsel zu kontrollieren oder explosive Sprünge sicher zu absolvieren – zeigt sich häufig ein entscheidender Engpass: Explosives Training fehlt in vielen Reha-Verläufen oder wird zu spät integriert.
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